AG Psychoanalytische Praxis und Forschung – Jahresberichte

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis 2011
Die Arbeitsgruppe – Christine Widmer, Fernanda Pedrina, Regula Weiss und Maria Teresa Diez Grieser- hat sich im letzten Jahr einerseits mit Arbeiten auseinandergesetzt, die Aspekte des aktuellen soziokulturellen Kontextes und dessen Einflusses auf die klinische Tätigkeit beleuchten, andererseits mit zwei Texten, die sich mit der Konzeptforschung beschäftigen. Die zentralen Aussagen der Arbeiten sowie kritische Überlegungen dazu hat die AG wiederum in Form von Bulletins zusammengestellt. Im Jahr 2011 waren dies das Bulletin 9 und das Bulletin 10. Im Bulletin 9 wird die Arbeit von Vera King “Adoleszenz und Migration – eine verdoppelte Transformationsanforderung” (2005) als ein Modell vorgestellt, an dem wir uns in der klinischen Arbeit orientieren können. Im Bulletin 10 wird eine theoretische Arbeit von A.U. Dreher (2004) zur Konzeptforschung vorgestellt und eine Anwendung im Rahmen eines Forschungsberichts ergänzend diskutiert (J. Sandler, A.U. Dreher u. S. Drews (1991): An approach to conceptual research in psychoanalysis illustrated by a consideration of psychic trauma). Im nächsten Bulletin möchte die AG den Einfluss neuer Fortpflanzungstechnologien auf die Identität von Familien und insbesondere von betroffenen Kindern diskutieren. Auch dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass wir im klinischen Kontext immer häufiger mit diesem Thema konfrontiert werden und viele von uns sich bisher noch wenig damit beschäftigt haben. Weitere Mitglieder, die aktiv mitmachen wollen und an den ca. 2-monatlichen Treffen in Zürich teilnehmen können, sind willkommen.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis 2010

Wegen der vorgezogenen Mitgliederversammlung wird sich der Bericht auf eine kurze Arbeitsperiode von ¾ Jahr beziehen.

Im letzten Bericht hatten wir das Bulletin 7 angekündigt, das inzwischen erschienen ist. Darin stellt Regula Weiss eine Arbeit von E. Caligor (2005) vor, in der verschiedene Manuale für psychodynamische Langzeitpsychotherapien und Psychoanalysen vorgestellt und diskutiert werden. Das Bulletin 8, das in Vorbereitung ist und von Rosmarie Barwinski redigiert wird, wird sich mit einer neueren Arbeit von J. Küchenhoff (2009) befassen, in der Prozesse der Integration unterschiedlicher psychotherapeutische Methoden im klinischen-institutionellen Kontext untersucht werden. Die Bulletins werden jeweils mit den EFPP-Nachrichten verschickt und sind unter www.efpp.ch/german/arbeitsgruppen zusammen mit den archivierten Nummern einsehbar.

Erstmals seit der Publikation der Bulletins haben wir Rückmeldungen und Kommentare von Kollegen erhalten, was uns sehr erfreut. Das Thema der manualisierten psychoanalytischen Therapien scheint ein Interesse auch der ambulant tätigen Therapeuten zu berühren. In einem Editorial der American Journal of Psychiatry (2007) stellt Gabbard die Fortschritte fest, die im Bereich der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen erzielt worden sind und nimmt insbesondere zur Kenntnis, dass auch psychodynamische Therapien sich nach den schon länger evaluierten cognitiv-behavioralen Therapien als wirksam – wenn nicht wirksamer – erweisen. Unter den psychoanalytisch orientierten ist die TFP (transference-focused psychotherapy) die am meisten verbreitete Form. Eine entsprechende Fortbildung wird auch im deutschsprachigen Raum angeboten. Jüngeren Datums ist das Angebot einer Fortbildung in einer für Jugendlichen adaptierten TFP-Version. Wir stellen fest, dass der Austausch zwischen Forschung und Praxis auf dem Gebiet der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen zunimmt und dass Manuale nicht nur in einem Forschungsdesign eingesetzt werden, sondern auch als Orientierung für die Einzelbehandlung in der Praxis wahrgenommen werden.

Zwei Mitglieder unserer Arbeitsgruppe, Regula Weiss und Fernanda Pedrina, hatten im vergangenen Jahr an der Ausarbeitung einer Stellungnahme der FMPP zum gesundheitspolitisch wirksamen Buch von J. Margraf “Kosten und Nutzen der Psychotherapie” mitgewirkt. Die Stellungnahme, die die Einseitigkeit des Berichtes zugunsten der Kurztherapien, die ungenügende Berücksichtigung ethischer Gesichtspunkte, die fehlende Kontextualisierung in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung kritisiert, ist seit dem vergangenen September auf der HP der FMPP aufgeschaltet (www.psychiatrie.ch) und wurde im politischen Meinungsbildungsprozess eingespeist. Sie wurde ebenfalls von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen rezipiert, die uns Rückmeldungen geschickt haben.

Die Arbeitsgruppe – Christine Widmer, Fernanda Pedrina, Regula Weiss und Rosmarie Barwinski – arbeitet weiter als Forum für die Diskussion ausgewählter wissenschaftlicher Arbeiten und für die Reflexion deren Relevanz für die psychoanalytische Praxis. Darüber wird in den ca. zweimal jährlich erscheinenden Bulletins berichtet. Sie verfolgt seit bald sieben Jahren mit Interesse die Veränderungen des wissenschaftlichen Umfeldes und deren Auswirkungen auf die therapeutische Arbeit. Sie versucht die Tendenzen zu erkennen, die den psychoanalytischen Standpunkt stärken und zur Weiterentwicklung der psychoanalytischen Behandlungstechnik beitragen.
Weitere Mitglieder, die aktiv mitmachen wollen und an den ca. 2-monatlichen Treffen in Zürich teilnehmen können, sind willkommen.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis 2009

Die Gruppe – zur Zeit mit Christine Widmer, Fernanda Pedrina, Regula Weiss und Rosmarie Barwinski – arbeitet weiter an den im ersten bulletin 2004 erklärten Zielen. Wir wählen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten aus, die uns als Psychoanalytikerinnen relevant erscheinen, diskutieren sie bezüglich dem methodischen Vorgehen, den Resultaten und deren Bedeutung für die psychoanalytische Praxis, und publizieren jeweils eine Zusammenfassung mit Kommentar in den EFPP-Nachrichten und auf der EFPP-Homepage.

Im vergangenen Jahr haben wir das bulletin 6 publiziert. Fernanda Pedrina hat einen Artikel von Regina Könneke, Stefanie Wilke, Sabine Ermel, Joachim Küchenhoff und Gerd Rudolf (2001) rezensiert, der ausführlich und exemplarisch das komplexe Untersuchungsdesign und die Methodenkombination einer qualitativen Untersuchung darstellt. Die Arbeit war Teil eines umfassenderen Forschungsprojektes zum Thema der psychischen Verarbeitung des unerfüllten Kinderwunsches bei Männern. Der qualitative Ansatz kam zur Anwendung, um die relevanten Aspekte in dieser noch wenig ergründeten Problematik aufzuspüren.
Das bulletin 7 steht kurz vor dem Abschluss. Regula Weiss wird eine Arbeit von Eve Caligor (2005) vorstellen, in dem drei verschiedene Manuale zur Behandlung von psychodynamischen Langzeittherapien verglichen werden.

Im Laufe der Jahre haben sich die Schwerpunkte bezüglich unseres Interesses an Forschungsarbeiten verschoben. Der qualitativen Forschung, die sich damals gegen die einseitige Ausrichtung auf outcome-Forschung stellte und differenzierte Einblicke in klinische Situationen versprach, haben wir uns von Anfang an zugewendet. Heute ist die Wirksamkeit von Psychotherapie, auch der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie, genügend belegt und anerkannt, sodass spezifischere outcome-Untersuchungen – bezogen auf störungsspezifische oder an bestimmten Behandlungsfoki ausgerichtete Behandlungen – relevant werden. Für solche Untersuchungen drängt sich immer mehr die Anwendung von manualisierten Therapien auf. Desweiteren stellen wir auch im psychoanalytischen Umfeld vermehrtes Interesse für Methodenkombination oder – integration in Behandlungen und deren theoretische Reflexion fest.

Die Kontakte unserer Gruppe mit dem EFPP-Vorstand haben sich im vergangenen Jahr intensiviert. Maria Teresa Diez informiert sich über unsere Tätigkeit. Ruedi Balmer bat uns gelegentlich um Meinungen zur Abstützung seiner berufspolitischen Positionen. Im Herbst 2008 lud er uns ein, an einer Expertengruppe der FMPP teilzunehmen, die zum angekündigten, gesundheitspolitisch sehr relevanten Buch “Kosten und Nutzen der Psychotherapie” (Margraf, 2009) eine Stellungnahme erarbeitet. Regula Weiss und Fernanda Pedrina haben diese Aufgabe gerne wahrgenommen. Das Buch stellt deutlich die Wirksamkeit von Psychotherapien fest und stellt den neuen Forschungsschwerpunkt, das Kosten-Nutzen Aspekt von Behandlungen vor. Es enthält aber gravierende Einseitigkeiten und Verkürzungen zu Ungunsten der psychodynamischen Therapien, die wir klarstellen wollen. Die offizielle Stellungnahme ist gegenwärtig in Bearbeitung.

Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis blieben bisher leider aus. Die AG-Forschung&Praxis hat vor, auch im kommenden Jahr weiterzuarbeiten. Ein oder zwei neue Mitglieder wären willkommen.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis Juni 2008

Die Gruppe – Rosmarie Barwinski, Fernanda Pedrina, Regula Weiss und Christine Widmer – hat sich auch im vergangenen Vereinsjahr regelmässig getroffen. Die Verbindung mit dem EFPP-Vorstand wurde von Maria Teresa Diez betreut und gestaltete sich intensiver als in früheren Jahren: Maria Teresa hat an zwei Sitzungen teilgenommen und konnte so direkt unsere Arbeitsweise kennen lernen.

Wir diskutierten wie üblich ausgewählte Texte, die in der Forschung und im akademischen interdisziplinären Dialog für die psychoanalytische Praxis bedeutend sind und verfassten ein bulletin dazu. In diesem Jahr produzierten wir zwei bulletins.

Rosmarie Barwinski stellte einen konzeptuellen Artikel von E. Peterfreund aus dem Jahre 1990 vor, der auch in der heutigen Diskussion noch relevant ist. Darin wird die Bedeutung der Prozessforschung und der Gewinnung von Erkenntnis beim Therapeuten während dem klinischen Prozess ausgearbeitet.

Christine Widmer analysierte eine aktuelle Publikation (2007) von Lepper und Mergenthaler, in der eine raffinierte Methodik zur Erforschung eines Aspektes des therapeutischen Prozesses eingesetzt wird. Es geht dabei um die Kombination eines computergestützten Untersuchungsschrittes und einer qualitativen konversationsanalytischen Methode. Dabei wird eine praxisrelevante Sequenz des therapeutischen Gesprächs, in der die therapeutische Kollaboration ausgehandelt wird, in den Blick genommen.

Das Diskussionsumfeld zum Thema Forschung hat sich in den uns bekannten psychoanalytischen Kreisen wieder einmal gewandelt. Nachdem in vergangenen Jahren viele praktizierende Kollegen sich in akademisch geleiteten Wirksamkeitsstudien engagiert haben oder versucht haben, Forschungsinstrumente zur qualitativen Verbesserung der Dokumentation eigener Therapieverläufe einzusetzen, werden heute zunehmend die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen, Interessen und Zwänge beider Bereiche wahrgenommen. Der Schwerpunkt scheint nicht mehr beim Wirksamkeitsnachweis der bewährten Formen der psychoanalytischen Therapie zu liegen, sondern eher bei der Ausarbeitung spezifischerer Anwendungsformen. Die Initiative dazu kommt sowohl von Forschungsinstituten wie von praxisorientierten Vereinigungen und Ausbildungsinstituten.

Die AG-Forschung&Praxis hat vor, auch im kommenden Jahr weiterzuarbeiten. Ein oder zwei neue Mitglieder wären willkommen.

 

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis Juni 2007

Die Gruppe hat sich seit dem letzten Jahresbericht etwa alle zwei Monate in unveränderter Zusammensetzung (Rosmarie Barwinski, Fernanda Pedrina, Regula Weiss, Christine Widmer) getroffen. Es werden Artikel gesichtet und für die Ausarbeitung eines Bulletins ausgewählt. Nach dem Erscheinen des Bulletin 3 in September 2006 haben wir geplant, einzelne Methoden der qualitativen Psychotherapieforschung genauer zu untersuchen und ihre Anwendbarkeit auf psychoanalytische Fragestellungen zu besprechen. Leider hat sich die Umsetzung dieser Absicht verzögert.

Angesicht der bescheidenen Produktivität und Präsenz der Arbeitsgruppe in der EFPP, haben wir in unserer letzten Sitzung eine Diskussion zum Sinn dieser Arbeit und zu ihrer Fortsetzung aufgenommen. Die Beteiligten schätzen den Austausch sehr, der sie beim Vertreten psychoanalytischer Standpunkte in verschiedenen Tätigkeiten im psychiatrischen und im schulübergreifenden psychotherapeutischen Umfeld unterstützt, und möchten es weiterführen. Anderseits befindet sich die Arbeitsgruppe in einem völlig anderen Kontext als vor vier Jahren bei deren Gründung. Damals waren wir besorgt, ein Diskussionsklima zu schaffen, das nicht gleich vom Widerstand derjenigen Kollegen torpediert würde, die radikal gegen die über das Junctim-Postulat (Reflexion der klinischen Fallarbeit) hinaus gehenden empirischen Forschung eingestellt waren. Inzwischen konnte am PSZ in Zürich über mehrere Semester ein von Christine Widmer koordiniertes wissenschaftliches Kolloquium stattfinden, an dem die forschenden Kollegen/innen ihre Arbeit vorstellen konnten. Ebenfalls am PSZ hat sich aus der Auseinandersetzung mit dem geplanten Forschungsprojekt der Charta eine Gruppe gebildet, die sich mit der Möglichkeit eigener Forschungsarbeiten befasst. Als Teilprojekt davon sind aktuell zwei Gruppen daran, Methoden zu evaluieren, die der wissenschaftlich gestützten Dokumentation der Praxisarbeit und der Verlauf- und Ergebnisauswertung dienen könnten. Ziel dieses Teilprojektes, an dem Regula Weiss und Fernanda Pedrina beteiligt sind, ist es, Vergleiche von Behandlungsverläufen unter Kollegen zu erleichtern und eventuell einen Beitrag zur Qualitätssicherung der psychotherapeutischen Arbeit zu leisten.
Zusammenfassend hat sich der Austausch in der Arbeitsgruppe bisher für unsere Arbeit in verschiedenen beruflichen Zusammenhängen befruchtend ausgewirkt. Weniger überzeugend ist die Wahrnehmung der Bulletins in der EFPP. Obwohl sie verschickt und auf der HP zu lesen sind, haben wir keine einzige Reaktion darauf erhalten.

Obwohl sich die Gruppe ausdrücklich nicht den standespolitischen Auseinandersetzungen widmet, verfolgen wir Diskussionen im Zusammenhang mit Psychotherapieforschung. Eine dringliche Anfrage von Ruedi Balmer an die Arbeitsgruppe im Frühjahr bezüglich einer Stellungnahme der EFPP zur Charta-Studie wurde von Regula Weiss beantwortet. Auch die EFPP entschied sich schliesslich gegen eine Beteiligung an der Charta-Studie. Indessen bleibt auch in der EFPP die Frage aktuell, an welchen Forschungsprojekten sich privat praktizierende PsychoanalytikerInnen beteiligen möchten, können und sollen und welche Instrumente der wissenschaftlichen Verlaufskontrolle für uns attraktiv sind. Ein Austausch dazu ist mit dem Vorstand oder/und interessierten Mitgliedern geplant.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis September 2006

Die AG Forschung und Praxis der EFPP besteht aus klinisch und wissenschaftlich tätigen Psychoanalytikerinnen und arbeitet seit 2003 zusammen. Letztes Jahr trat Agnes von Wyl aus der Gruppe aus, hinzu gekommen ist Rosemarie Barwinski. Die Gruppe besteht aktuell aus Fernanda Pedrina, Christine Widmer, Rosemarie Barwinski und Regula Weiss. Die unterschiedlichen klinischen und wissenschaftlichen Erfahrungshintergründe beleben die Diskussionen von psychoanalytischen Forschungsarbeiten in der Gruppe, indem sie Dialog zwischen der Welt der Psychotherapieforschung und der klinischen Praxis unmittelbar herausfordern. Wir besprechen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten und kommentieren und reflektieren sie aus der Sicht der Praxis sowie der Methodik.

Zum einen bestimmen persönliche Interessen die Wahl der besprochenen psychoanalytischen Forschungsarbeiten, zum anderen unsere Einschätzungen, welche Themen und Methoden in den theoretischen und klinischen Kontroversen methodisch interessant, praktisch relevant und hinsichtlich Resultaten spannend sind. Wir widmen uns darum weniger standespolitischen Aktualproblemen als langfristigeren Entwicklungsbewegungen in der psychoanalytischen Theorie und Praxis. Von mehreren diskutierten Arbeiten wählen wir jeweils einen Artikel aus und kommentieren ihn im Bulletin, welches den EFPP-Nachrichten beigelegt wird.

Das 3. Bulletin* von diesem Jahr unter der Redaktion von Regula Weiss widmet sich der Nachhaltigkeit von Psychotherapieprozessen. Wir rezensieren dazu eine Arbeit der Heidelberger Forschungsgruppe um Gerd Rudolf von 2002: Wie können strukturelle Veränderungen in analytischen Langzeitpsychotherapien empirisch erfasst werden? Die Arbeit fasst aus einer Nachhaltigkeitsperspektive die Praxisstudie analytische Langzeittherapie PAL zusammen, welche einigen KollegInnen vermutlich bekannt ist. Die leider erst in Ansätzen vorhandenen Resultate der multizentrischen, naturalistischen, prospektiven Prozess-Outcome-Studie mit aufwändigem, methodisch breit abgestütztem Design werden die Diskussionen um die Langzeitwirksamkeit von Psychotherapien und die Art der Veränderungen in psychoanalytischen Prozessen zweifellos beeinflussen, ebenso wie die von der EFPP unterstützte FIPP-Studie, welche sich methodisch auf ähnliche Instrumente stützt.

Die erfreuliche Hinwendung zur Forschungsfragen innerhalb der Schweizer Psychoanalyse setzt sich fort. In verschiedenen Gruppierungen werden vermehrt Forschungsthemen und -methoden und ihre Bedeutung für die klinische Arbeit diskutiert. Neben einer allgemeinen Aufbruchstimmung zeigte sich aber auch, dass PraktikerInnen noch zu wenig von den Forschungen profitieren, an denen sie sich beteiligen.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis September 2005

Die Arbeitsgruppe trifft sich alle 2–3 Monate. Nach der Gründungsphase, in der gemeinsame Orientierungspunkte im Bereich der Psychotherapieforschung erarbeitet und das Feld der uns interessierenden Forschung abgesteckt und strukturiert wurde, diskutieren wir jetzt wie geplant einzelne Artikel und Berichte zwecks Erstellung eines Bulletins. Es handelt sich um Texte, die alle als relevant für ihre Arbeit betrachten und die jeweils ein Mitglied der Gruppe vorschlägt und vertieft behandelt. Sie greifen einen Aspekt einer klinischen Problematik auf. In der Gruppendiskussion werden Bezüge zum Behandlungskontext ergründet sowie die verschiedenen methodischen Zugänge in Bezug auf die Aussagekraft der damit ermittelten Resultate untersucht.

Die bisher geleistete Arbeit erfolgt viel gründlicher und kritischer als ursprünglich gedacht, sodass wir erst 3 Bulletins produziert haben. Der 4. (Bulletin Nr. 3) wird Ende Jahr fertig sein und wie die vorangehenden im Internet zu lesen sein.

Weder die Verteilung in der EFPP via Nachrichten noch die Internet-Publikation haben uns bisher Reaktionen und Diskussionsbeiträge gebracht. Zudem hat sich als schwierig erwiesen, die Gruppe als deutsch-schweizerische EFPP-Gruppe in Gang zu halten. Die Basler Mitglieder sind inzwischen ausgestiegen und es ist de facto eine Zürcher Gruppe geworden. Schade.
In Zürich aber ist die Thematisierung des Verhältnisses zwischen Praxis und Forschung, die lange Zeit auf Desinteresse, wenn nicht auf Widerstand gestossen ist, in eine neue dynamische Auseinandersetzung übergegangen. So hat die Aufnahme der Diskussion in unserer Arbeitsgruppe einen Beitrag an der Entstehung eines Forschungskolloquiums im PSZ geleistet. Darin haben alle Teilnehmerinnen der AG ihre eigene Forschungsprojekte vorgestellt oder werden dies im nächsten Semester tun. Das FIPP-Projekt von Joachim Küchenhoff hat ebenfalls PsychoanalytikerInnen in die Problematik der klinischer Forschung einbezogen. Die Tagungen zur qualitativen Forschung, die regelmässig an der Uni Zürich von Prof. Boothe organisiert werden, ziehen mehr KollegInnen aus der Praxis als früher an.

In dieser lebhaften und für die Psychoanalyse produktiven Zeit hat sich in der Arbeitsgruppe die Ansicht gefestigt, dass eine Anbindung an universitäre Einrichtungen einerseits wie auch an nationale und internationale psychoanalytische Strukturen andererseits für das Weiterbestehen der Psychoanalyse als Wissenschaft unerlässlich sind. In diesem Sinne werden hiermit die EFPP-Mitglieder eingeladen, ihre Meinung zur Verbesserung der Verankerung unserer Arbeit in der EFPP zu äussern und an die weiter gehende Vernetzung der wissenschaftlichen Diskussion mitzudenken.

Jahresbericht der AG Forschung und Praxis März 2004

Die AG Psychoanalytische Praxis und Forschung wurde als gemeinsame Initiative der EFPP der Sektionen “Kinder und Jugendliche” sowie “Erwachsene Deutsche Schweiz” geplant und hat ihre Arbeit im März 2003 aufgenommen. Die AG wurde bei der Restrukturierung der EFPP anlässlich der Gründungsversammlung der neuen EFPP-Deutsche Schweiz im Januar 2004 als AG dieser Nachfolgeorganisation angenommen.

Die AG hat das Ziel, die Kommunikation zwischen psychotherapeutisch tätigen Kollegen und solchen, die in der Forschung tätig sind, zu verbessern und eine Gesprächkultur zu fördern, die neueren Entwicklungen in beiden Bereichen berücksichtigt. Mittel dazu ist ein Bulletin, der in loser Folge als Beilage zu den EFPP-Nachrichten erscheinen soll. Diese geben Auszüge, aus den Diskussionen der AG-Mitglieder wieder. Sie sind als Einladung an die Leser gedacht, mit eigenen Kommentaren in die Diskussion einzugreifen. Als spätere Option ist die Eröffnung eines Diskussionsforums via Homepage geplant.